Der Zeit schenken wir zu viel Aufmerksamkeit

von | 25.02.2023 | meineMeinung, selbstOrganisation

Das Buch 4000 Wochen: Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement von Autor Oliver Burkeman war meine Sommer-Urlaubslektüre im vergangenen Jahr. Als einer, der viel von Zeitmanagement und Vorausplanung hält, war es ein Augenöffner für mich. Denn, so mein Learning aus dem Buch: unser Leben ist mehr als die Zeitblöcke in unseren Kalendern.

Der Arbeitsvertrag schickt uns auf die falsche Fährte

Alle Arbeitsverträge, die ich kenne, sind immer noch gleich aufgebaut: Wir tauschen unsere (Lebens-) Zeit gegen Geld vom Arbeitgeber. Acht Stunden am Tag, fünf Tage die Woche und ungefähr 42 Wochen jedes Jahr. Wer auf 45 Arbeitsjahre blickt, kommt so auf 1.890 Arbeitswochen Zeit gegen Geld.

Fast unsere halbe Lebenszeit – die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei ungefähr 4.000 Wochen – tauschen wir im Job gegen Geld ein.

Dabei werden es nicht Geschichten wie „ich habe 1.000 Wochen im Unternehmen XY gearbeitet“ oder „ich war jeden Tag die Erste im Büro“ sein, die uns im Gedächtnis bleiben. Wenn wir im Job zurückblicken, denken wir an Projekte, die wir erfolgreich realisiert oder Kolleg:innen und Chef:innen, die uns in unterschiedlichen Situationen gutgetan haben.

Wahrscheinlich kennt jede:r von uns Berichte über Sterbende, die am Ende ihres Lebens auf Erlebnisse und Momente zurückblicken – nicht auf Zeitblöcke. Dies sollten wir auch mit Blick auf unsere 1.890 Arbeitswochen im Hinterkopf halten.

Gute Arbeit lässt sich nicht durch volle Terminkalender oder Anwesenheitszeit beschreiben. Vielmehr ist gute Arbeit das Ergebnis von wirksamen Arbeiten. Die dafür aufgewandte Zeit spielt dafür (fast) keine Rolle.

Weil das Ergeb/lebnis zählt

Warst du schon mal in der Elbphilharmonie in Hamburg? Ich durfte dort bereits einen Blick hinter die Kulissen legen und die Klänge eines Orchesters aufnehmen. Eindrücke, die ich nicht vergessen werde.

Wenn ich weiter zurückdenke, dann fällt mir schon noch ein, dass der (Um-) Bau der Elphi viel länger gedauert hat als geplant und die Baukosten die Planungen um ein Vielfaches überstiegen haben. Doch dieser Ärger verblasst mit der Zeit. Was bleibt, sind die tollen (Klang-) Erlebnisse, die ein Besuch der Elbphilharmonie mit sich bringt und den Besuch in guter Erinnerung halten.

(Bitte nicht missverstehen: Die Fehler, die vor und während des Baus gemacht wurden, sind weder rühmlich noch waren sie notwendig. Doch, mit Blick auf das große Ganze, verblassen sie im Laufe der Zeit.)

Im Job ist es genauso. In der Rückschau messen wir den Erfolg eines Projekts daran, wie treffsicher das Ziel erreicht wurde und wie fokussiert sich das Team engagiert hat: Wenn das neue System nach vielen Monaten intensiven (Zusammen-) Arbeitens das Pflichtenheft vollständig erfüllt und von den Anwendern gern genutzt wird, heißt es: mission accomplished – Mission erfüllt, auch wenn das Projektbudget (etwas) überschritten und der zeitliche Rahmen mehr als ausgeschöpft wurde.

Probleme gehören eben dazu

Kein Projekt und keine neue Aufgabe lässt sich auf Anhieb fehlerfrei bewältigen. Das lehrt uns die Erfahrung vergangener Projekte und Aufgaben. Fehler und Probleme tun sich unterwegs auf, trotz Erfahrung und Fokus. Beides ist notwendig und darf nicht vernachlässigt werden.

Da kommt mir direkt Oliver Burkeman in den Sinn, der treffend schreibt, „ein Zustand völlig ohne Probleme wird ganz offensichtlich niemals eintreten. Um es noch klarer zu sagen, dieser Zustand wäre auch nicht wünschenswert, weil ein Leben ohne Probleme dazu führen würde, dass keine Handlung mehr lohnenswert wäre – wodurch es sinnlos würde.“ (Seite 187)

Probleme gehören zum Leben dazu. Probleme machen das Leben aus.

Vom Ende her denken

Wenn wir der Zeit künftig nicht mehr den Stellenwert schenken, den sie heute noch über unseren Alltag (insbesondere im Job) hat, eröffnet sich eine ganz neue Welt. Eine Welt, die unseren Blick verändert. Weil wir beginnen unseren Tag nicht mehr nach zu verbrauchender Zeit im Kalender aufzuteilen und beginnen, unsere Tage vom Ende her zu denken.

Wie möchte ich heute Abend auf den Tag zurückblicken?

Mir helfen ehrliche Antworten auf diese Frage, meinen Fokus zu schärfen und meinen Kalender zu entrümpeln. Wenn ich klar habe, dass am Ende dieses Tages der Newsletter geschrieben und versandfertig ist, werde ich etliche andere Themen aussortieren (müssen).

Zu viel Zeit habe ich in den ersten Jahrzehnten meines Arbeitslebens damit verbracht, Termine in meinem Kalender abzuarbeiten (die noch dazu oft von Dritten eingestellt wurden). Mittlerweile ist das nicht mehr mein Weg. Statt (auf Termine) zu reagieren, verbringe ich meine Zeit lieber damit, selbst festzulegen, wohin mich mein Weg führen soll. Dafür reserviere ich mir regelmäßig Zeit (in meinem Kalender 😉).

So arbeite ich an meinem Leben und nicht für den Job.

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