Fünf Gründe, warum Mediation besser ist als ein Streit vor Gericht

von | 25.05.2018 | Mediation

Schon als Kinder streiten wir, um unsere Meinung durchzusetzen. Als Erwachsene nehmen wir uns dafür Anwälte zur Seite und ziehen vor Gericht. Ein juristisches Verfahren ist in vielen Fällen nur die zweitbeste Lösung. Fünf Gründe sprechen dafür, einen Streit besser in einer Mediation zu lösen.

Du meinst im Recht zu sein. Deshalb bestehst du auf deine Meinung. Und du willst sie durchsetzen – mit allen Mitteln. Aus Erfahrung wissen wir, dass es mit dem Durchsetzen so eine Sache ist. Auch vor Gericht klappt das – statistisch gesehen – nur in 50 % der Fälle. Und wenn ich gewinne, dann verliert mein Gegenüber.

Meist enden Gerichtsverfahren mit einem Urteil, das keiner Konfliktpartei wirklich gerecht wird. Trotzdem sind wir es – immer noch – gewohnt, im Streitfall zum Anwalt zu gehen. Noch unbekannt und ungewohnt ist es, einen Mediator als „Streitschlichter“ hinzuzuziehen.

Dabei gibt es fünf gute Gründe, die Mediation einem juristischen Verfahren vorzuziehen.

[Mediation ist ein freiwilliges Verfahren. Ein Mediator führt die Konfliktparteien (= Medianden) durch ein strukturiertes Verfahren: Erst wird der Konflikt (von den Medianden) dargestellt. Sind die Bedürfnisse der Parteien erkannt, wird daraus eine Lösung erarbeitet, die diesen gerecht wird.]

#1 Wir müssen weiter zusammenarbeiten


Ein Streit entsteht, weil wir miteinander in Beziehung stehen. Wir wollen bzw. müssen (z. B. im Unternehmen oder bei Projekten) zusammenarbeiten. Tragen wir den Streit zu einem Anwalt oder vor Gericht, geben wir unsere gestalterische Rolle aus der Hand. Die Anwälte kommunizieren in ihrer eigenen Sprache, ein Richter urteilt. Wir selbst sind dann nur noch Zuschauer und nicht mehr Herr des Verfahrens. Übrig bleibt für die beiden Konfliktparteien am Ende meist verbrannte Erde, die eine weitere Zusammenarbeit schwer bis unmöglich macht.

In der Mediation haben die Konfliktparteien den Raum, ihre Sicht darzustellen und um das Bedürfnis dahinter zu ergründen. Der Mediator ist dabei Herr des Verfahren. Er achtet darauf, dass beide Parteien (wieder) in den Dialog kommen. Die Lösung wird gemeinsam erarbeitet. Das ist die Basis, künftig (wieder) zusammen zu arbeiten.

#2 Wir haben kein Geld zu verschenken


Bei einem Streitwert von 10.000 € belaufen sich Anwalts- und Gerichtskosten schon in der ersten Instanz auf über 4.500 €. Eine gerichtliche Auseinandersetzung über drei Instanzen mit einem Streitwert von 50.000 € summiert sich auf circa 33.000 €.
(Quelle: D.A.S. Prozesskostenrechner)

Die Kosten für einen Mediator richten sich nach der Länge des Engagements. Üblich sind Stundensätze zwischen 100 und 400 €, teilweise gestaffelt (z. B. tageweise Abrechnung). Die Dauer einer Mediation richtet sich nach der Eskalationsstufe des Konflikts und dessen Komplexität. Eine Mediation (Streitwert von 50.000 €) dauert oft über fünf bis sieben Sitzungen (je 2 Stunden, zzgl. jeweils 1,5 h Vor-/Nachbereitung). Somit belaufen sich die Kosten für den Mediator (hier) auf ca. 5.000 €.

Weil die allermeisten Mediationen zu einem guten Ergebnis führen, ergibt sich für dieses Verfahren ein enormer Kostenvorteil.

#3 Wir haben nicht die Zeit für einen Prozess


Gerichte sind überlastet. Verfahren und damit Urteile ziehen sich. Es ist durchaus üblich, dass selbst kleinere Gerichtsverfahren mehrere Jahre dauern. Während dieser Zeit „hängt“ eine Entscheidung. Das lähmt – gerade im Unternehmenskontext.

Je nach (zeitlicher) Verfügbarkeit von Medianden und Mediator lassen sich Mediationen innerhalb von wenigen Wochen zum Abschluss bringen. Bei wenigen Beteiligten (z. B. zwei Personen) sind Sitzungen alle 1 bis 2 Wochen üblich, so dass eine Mediationsvereinbarung oft in 1 bis 3 Monaten möglich ist.

#4 Wir brauchen eine Lösung


Ein Gerichtsurteil ist eine Entscheidung. Meist wird diese dem Problem und damit den Konfliktparteien nicht gerecht: Wir selbst sind nicht mehr Herr des Verfahrens.

Eine tragfähige Lösung muss von den Konfliktparteien selbst kommen, muss von diesen erarbeitet sein. Mit der Mediation gelingt dies. Der Mediator ist verantwortlich für den Prozess (der Mediation). Die Konfliktparteien sind verantwortlich für das Ergebnis. Als Experten in der Sache sind sie die Besten, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Der Weg zur Lösung bringt für die Beteiligten selbst einen großen Wissens- und Erkenntnisgewinn. Sie müssen sich mit den Sichten des „Gegners“ auseinander setzen. Das eröffnet zusätzliche Blickwinkel und führt dazu, dass das Ergebnis weitere Aspekte berücksichtigt.

#5 Du bist mir wichtig


Wir sind nicht allein auf der Welt. Das zeigt sich gerade bei Konflikten. Und weil uns das gute Miteinander auf der Welt am Herzen liegen sollte, brauchen wir einen neuen Weg der Konfliktbewältigung: Wir müssen (wieder) lernen, dass

  • wir selbst verantwortlich sind, wie wir mit Konflikten umgehen,
  • neue und bessere Lösungen am besten im Dialog entstehen und
  • Entscheidungen, die uns weiterbringen, nicht delegieren werden können.

Mediation ist ein Weg um juristische Auseinandersetzung zu vermeiden. Wenn wir diesen Weg wählen, gewinnen wir.

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8 Kommentare

  1. Natalie Brandner

    Mein Vater hat schon eine Weile ärger mit seinem Nachbarn und immer wieder kommt es zu Streitigkeiten. Auf jeder Seite hat die Familien schon versucht zu schlichten nun überlegen wir, ob wir eine Konfliktmediation einschalten. So kann es nicht weitergehen und ja, die Zeit und das Geld für einen Rechtsstreit haben wir nicht. Beide haben sie wirklich gut verstanden, vielleicht finden sie dadurch wieder zueinander.

    Antworten
    • Peter Janetschke

      Konflikte direkt vor der eigenen Haustür belasten besonders. Denen können wir nicht so einfach aus dem Weg gehen. Deshalb halte ich es für wichtig, diese „nachhaltig“ zu lösen. Ein Streit mit Anwälten und Richtern ist da meist nicht die Lösung. Weil wir da die Lösung aus der Hand geben. Weil da „Recht gesprochen“ wird, das unsere Bedürfnisse außen vor lässt.
      Ich halte es für gut, dass ihr überlegt, eine:n Mediator:in von außerhalb hinzuzuziehen. Der:die ist allparteilich, d. h. er:sie ist allen (Konflikt-) Parteien gegenüber verpflichtet. Um eine Lösung zu finden, die mehr ist als ein Kompromiss. Eine Lösung, die die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt. In meinem Beitrag https://www.janetschke.de/warum-konflikte-wichtig-fuer-erfolgreiche-projekte-sind/ hab‘ ich das als „3. Weg“ bezeichnet.
      Ich wünsche euch, dass ihr eine Lösung findet, der euch in eine friedvolle Zukunft trägt. Alles Gute.

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  2. Hannes Bartschneider

    Mir gefällt diese Option sehr gut. Ich fände es Quatsch jeden Konflikt vor Gericht auszutragen. Ich hatte bereits eine Schlichtung, und der Kostenfaktor ist hierbei wirklich geringer. Für mich hat es sich gelohnt.

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    • Peter Janetschke

      Mediation als Weg zur Lösung macht auch wirtschaftlich Sinn. Vor allem hilft Mediation den Streitenden im Gespräch und für die Lösung verantwortlich zu bleiben. Eine Option, die bei juristischen Auseinandersetzungen mindestens zu kurz kommt – meist sogar weggenommen ist (weil nur noch Anwälte und Richter sprechen).

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  3. Dennis Becker

    Wir befinden uns zurzeit leider auch in einem juristischen Streit und da kam dieser Artikel gerade passend. Es ist gut zu wissen, dass mit der Wahl einer Mediation auch ein großer Kostenvorteil einhergeht. Wir haben uns nun entschlossen diesen Weg der außergerichtlichen Konfliktbeilegung zu gehen und hoffen dafür einen geeigneten Rechtsanwalt für Mediation zu finden, der uns tatkräftig in dieser Angelegenheit unterstützt.

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    • Peter Janetschke

      Hallo Dennis, danke, dass du deine Sicht hier mit uns teilst. Neben dem Kostenfaktor ist es vor allem die Art und Weise, wie Mediation „funktioniert“: Bei juristischen Auseinandersetzungen geben wir das „Verfahren“ aus der Hand. Anwälte und Richter sprechen und urteilen über unsere Probleme. Bei einer Mediation bleibt es Aufgabe der Medianten, gemeinsam die beste Lösung für ihr Problem zu finden. Im Dialog und mit professioneller Unterstützung.
      Viele Rechtsanwälte bieten sich mittlerweile auch als Mediatoren an. Oft geht das mit einem Interessenkonflikt einher: Rechtsanwälte sind parteiisch (für ihre Mandantschaft). Mediatoren sind zur Allparteilichkeit (keine Seite wird bevorzugt) verpflichtet. Oft klappt es nicht so gut, diese Rollen zu trennen. Darunter leidet dann die Mediation und das Ergebnis.

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  4. Marie de Jonge

    Danke für den Artikel über Mediation. Ich habe mich nie wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt, aber mein Freund hat letztens davon gesprochen. Deswegen ist es echt gut, dass ich diesen Beitrag gefunden habe. Sehr hilfreich!

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    • Peter Janetschke

      Hallo Marie, schön, dass dir mein Beitrag gefällt und eine Hilfe ist. 😊

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